Flavour

Yotam Ottolenghi & Ixta Belfrage
Flavour.
Mehr Gemüse, mehr Geschmack.

DK-Verlag
ISBN 978-3-8310-4086-5
2020

Mal wieder Ottolenghi, ich bin einfach Fan. Auch diesmal hat er gemeinsam mit Co-Autorin Ixta Belfrage ein Kochbuch herausgegeben, das sich keiner Küche unmittelbar zuordnen lässt. Die Gerichte erinnern an Orient und Mittelmeer, mittlerem Westen und England.

Diesmal dreht sich alles um Gemüse. Die Rezepte sind dabei nicht strikt vegetarisch – manchmal braucht es Hühnerbrühe oder so etwas – aber sie lassen sich mit entsprechenden fleischfreien Produkente alle vegetarisch und oft sogar vegan zubereiten.

Offenbar ist es in Mode, Kochbücher nicht mehr nach Vorspeise, Hauptgerichten und Desserts zu sortieren, sondern nach Elementen des Kochens (wie bei Samin Nosrat) oder Anlässen (ähnlich bei Ella Risbridger). Bei Ottolenghi sind es jetzt Prozesse (Rösten, Bräunen Ziehenlassen, Reifen), Partner (Süße, Fett, Säure, Chilischärfe) und Produkte (Pilze, Zwiebeln und Knoblauch, Nüsse und Samen, Zucker: Früchte und Alkohol). Außerdem gibt es eine umfangreiche Einführung, vor allem in die Prozesse und eine Art Zutatenbibliothek; am Ende folgen “Geschmacksbomben” und Menüvorschläge. Die Logik finde ich eigentlich gut. Mir geht es selten so, dass ich denke “Oh, ich brauche was als Hauptspeise”, sondern eher, dass ich eine Zutat in der Biokiste hatte, für die ich nun Inspiration suche – und da hilft dann einfach das Register. Oder ich blättere das ganze Buch durch (Top-Zeit: Sonntagmorgens!) und suche etwas aus.

So, und was gab es schon? Das erste Rezept waren die Orechiette Puttanesca, einfach, weil ich alle Zutaten im Haus hatte und den Gedanken verlockend fand, nur wenig spülen zu müssen, denn das ist ein One-Pot-Gericht, d.h. alles wird in nur einem einzigen Topf gekocht. Die Zubereitungsschritte waren verständlich erklärt. Besonders gut gefallen mir Angaben wie “die ersten 10 Zutaten mischen” oder so, davon gibt es viele in dem Buch. Geschmacklich war das Ganze super. Man merkt nicht, dass gar keine Sardellen vorkommen, das wird alles durch die Kapern und die Oliven aufgefangen.

Orechiette Puttanesca. Foto: Annabell Bils

Danach ging es an die Röstkartoffeln mit Tahin. Dafür braucht man Rosenharissa – was nicht so einfach zu bekommen ist. Da das aber auch im “das-musst-du-haben-Index” in anderen Ottolenghi-Büchern stand, hatten wir entsprechend vorgesorgt. Rosenharissa hat noch mal einen runderen Geschmack als normales Harissa und ist für diese Kartoffeln wirklich toll. Der Tahinidip passt gut dazu, allerdings war die Menge eher klein (will sagen, ich hätte noch mehr davon essen können). 900 g Kartoffeln für 4 Personen ist aber als Beilage super. Das mache ich auf jeden Fall noch mal.

Scharfe Röstkartoffeln mit Tahin und Sojasauce. Foto: Annabell Bils

Die scharfe Pilzlasagne ist ebenfalls sehr zu empfehlen – Umami pur. Hier fehlt das Fleisch wirklich gar nicht. Die Zubereitung ist nur relativ aufwändig – die Pilze werden erst gehackt und dann im Ofen gebacken. Als Hauptgericht emfinde ich 3 Portionen für 2 Personen gut bemessen.

scharfe Pilzlasagne
Scharfe Pilzlasagne. Foto: Annabell Bils

Und jetzt kommt das Beste: Die Fladenbrote mit Knoblauchbutter. Sie sind ein Traum. Der Hefeteig ist schnell gemacht und für die Butter wird dreierlei Knoblauch verwendet: frischer, im Ofen gebackener und schwarzer. Alles wird zusammengemixt und auf die heißen Fladen gestrichen. Dazu kommen noch geriebene, abgetropfte Tomaten (wie bei Pa amb tomàquet) und frische Kräuter. Das ist ein Essen, das sich gut vorbereiten lässt und im entscheidenden Moment schnell geht.

Olivenöl-Fladenbrote mit dreierlei Knoblauchbutter und Tomaten. Foto: Annabell Bils

Alles in allem ein super Buch, auch für Kochanfänger*innen. Super zum stöbern, aber auch zum verschenken. Volle Empfehlung.

5 out of 5 stars (5 / 5).

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