Sweet

Yotam Ottolenghi & Helen Goh
SWEET
Süße Köstlichkeiten

Dorling Kindersley Verlag
ISBN 978-3-8310-3301-0
2017

Gestern benötigte ich gelbe Pflaumen für den “Echt römischen Burrata-Salat” von Ella Risbridger. Im ersten Laden gab es nur violette Pflaumen, die ich vorsichtshalber gekauft habe, dann aber noch mal am Obststand vorbeiging und dort doch noch gelbe Pflaumen bekam. Ich hatte damit 6 große, violette Pflaumen übrig und begab mich auf die Suche nach einem Verwendungszweck.

Pflaumenkuchen sollte es werden, das wusste ich schon – aber für einen klassischen Hefeteig war es dann insgesamt doch zu wenig, auch bei einem kleinen Blech. Außerdem wollte ich auch mal ein bisschen Abwechslung ins Backen bringen. Ich denke oft, dass mir Kochen mehr Spaß macht, weil man zwischendrin immer noch abwandeln kann, hier mal mehr Zucker, dort mal ein bisschen Säure, dies im Ofen gebacken, statt in der Pfanne und am Ende hat es mit dem eigentlichen Rezept nur noch die Idee gemein. Beim Backen – finde ich – muss man sich schon recht genau daran halten, sonst wird der Teig zu flüssig, zu süß, zu wenig süß oder was auch immer. Und einmal im Ofen, ist sowieso alles zu spät. Egal. Jedenfalls griff ich zu “Sweet” von Ottolenghi & Goh, suchte nach Pflaumen und wurde fündig – sogar mit mehreren Einträgen. Am Ende entschied ich mich für den Luisenkuchen mit Pflaumen und Kokos, den ich mir gut zum Tee vorstellen konnte. Und Baiser liebe ich ja sowieso.

Der Kuchen ist etwas leicht zu machen, auch wenn man mit der Temperatur aufpassen muss. Sie muss immer wieder angepasst werden, von 170°C auf 200°C, dann wieder auf 180°C. Aber das Ergebnis lohnt. Ich habe hier einen kleinen Kuchen mit der Hälfte der Zutaten in einer Mini-Springform gemacht, das hat gut funktioniert.

Luisenkuchen mit Pflaumen und Kokos. Foto: Annabell Bils

Wenn man am Sonntagmorgen auf die Idee kommt, Kuchen backen zu wollen, ist der Marmorkuchen mit Kaffee und Kardamom genau richtig, weil man vermutlich alle Zutaten im Haus hat. Die Mischung ist perfekt, der Teig ist schön fluffig und der Kardamom gibt ein leicht orientalische Note dazu. Ich habe hier die Hälfte der angegebenen Menge in einer kleinen Napfform gemacht.

Marmorkuchen
Marmorkuchen mit Kaffee und Kardamom. Foto: Annabell Bils

Und damit bin ich beim Buch. Wer sich ein dieses Süßspeisenbuch genauso ottolenghiesk vorstellt, wie seine ganzen anderen Bücher, hat vollkommen recht. Natürlich gibt es Safran-Pistazien-Krokant, Ingwer-Crème-Caramel und Pawlowa mit Zimt, Krokantcreme und frischen Feigen und natürlich kommt ein Ottolenghi-Buch nie ohne Granatapfel aus. Aber es hat damit auch das gewisse Etwas, das dieses Buch von den Backrezepten aus der Sammlung der Hückeswagener Landfrauen unterscheidet (und nichts gegen die Landfrauen, ich liebe deren Rezeptsammlung sehr! Mache ich mal einen Extra-Eintrag!). Immer ist ein Hauch Israel dabei oder ein bisschen Londoner Großstadtluft, immer ein bisschen Starküche.

Nach einem ausführlichen Vorwort von Ottoleghi, bei dem auch Helen Goh als seine langjährige Chef Pâtissière mal ausführlich gewürdigt wird, geht es los mit Cookies und Keksen, dann folgen Mini-Kuchen, Kuchen und Torten, Cheesecakes, Tartes und Co., bevor Desserts und kleine Süßigkeiten den Abschluss bilden. Ganz am Ende gibt es noch Tipps und Tricks, Glossar, Register und Dank.

Das Buch ist übersichtlich gestaltet. Für Unverträglichkeiten von Nüssen oder Gluten gibt es kleine Symbole, die hier einen schnellen Überblick schaffen. Auch gibt es am Rand immer kleine Hinweise zur Haltbarkeit, Aufbewahrung, den benötigten Utensilien, wenn sie nicht Standard sind (z.B. “Sie benötigen einen Spritzbeutel”) oder kleine Tipps, wie “hier ist eine Silikonbackmatte perfekt”. Fast jedes Rezept enthält ein Foto (und nicht irgendeins, sondern immer wie in einem Hochglanzmagazin). Manchmal gibt es auch Fotoserien, z.B. wie man die Pawlowa-Rolle einrollt.

Ich gebe5 out of 5 stars (5 / 5), muss mir aber gleichzeitig dringend vornehmen, öfter etwas aus diesem Buch zu machen. Es ist nämlich wirklich toll.

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