Die Geschichte beginnt mit einem Huhn

Ella Risbridger
Die Geschichte beginnt mit einem Huhn.
Rezepte, für die es sich zu leben lohnt.
Callwey Verlag
ISBN: 3766724878
2020

Neulich hat der Buchhändler meines Vertrauens ein kleines Video auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht, in dem er in seinem Ansichtsexemplar eines noch nicht erschienenen Kochbuchs blätterte. Bei meinem nächsten Besuch im Laden fragte ich nach dem Erscheinungsdatum – und durfte direkt mal in das Buch schauen. Es war “Die Geschichte beginnt mit einem Huhn“ von Ella Risbridger und es hat mich sehr begeistert.

Die Autorin beschreibt, wie sie eines Abends von sich und dem Leben genug hatte – und es wäre wohl schlecht für sie ausgegangen, wenn da nicht das Huhn in der Tasche gewesen wäre, das zu verspeisen doch eine ernste Alternative zum Aufgeben darstellte. Es ist ein Mitternachtshuhn daraus geworden und das Rezept findet sich im Buch. Und noch weitere Rezepte, “für die es sich zu leben lohnt”. Frühstücke, für die sich das Aufstehen lohnt, Picknicke zum rausfahren. Gerichte, die man noch beschwipst kochen kann und solche, die trösten.

“Dies ist das Buch, das ich gern gelesen hätte, als ich traurig war, doch es ist auch ein Buch für gute Tage: Man kann es ausgestreckt auf einer Picknickdecke unter einem großen Schirm lesen, während man dem Regen lauscht; oder neben die Heizung gekuschelt mit einer Katze, die mit den Tatzen nach den Seiten schlägt: Man kann es in der Badewanne oder im Bus lesen, vor allem aber in der Küche.”

Ja, denn schließlich ist es ein Kochbuch. Aber eines mit persönlichen Geschichten und kleinen Anekdoten. Und es ist eines, das “verzeiht, wenn du es mit dem Wiegen und Abmessen nicht so genau nimmst” und das ruhig Soßenflecken bekommen darf. Es folgt den drei Grundregeln, mit denen ich mich gut identifizieren kann:

1. Salze dein Pastawasser.
2. Nimm im Zweifelsfall Butter.
3. Mach einfach weiter.

Die Aufteilung ist ungewöhnlich, passt aber. Es geht los mit einem kurzen Überblick, was man in der Küche haben sollte und dann weiter mit Frühstück, Suppe & Brot, Picknicks & Pack-ups, Vorratsschrankgerichte & Mitternachtsgelage, Wochenendküche, Süße Sachen und “Brühe gut, alles gut” als Abschluss. Das ist schön, denn damit passt es zur jeweiligen Stimmung (ähnlich wie die Wochenmarkt-Rezepte von Elisabeth Raether) und nicht nur zur Tageszeit.

Insgesamt ist es sehr englisch. Das merkt man schon bei den Rezepten für Frühstück, bei denen Porridge, Oatcakes und Scones eine wichtige Rolle spielen. Auch sind manche Zutaten – wie Golden Syrup – hier nicht ganz einfach zu bekommen. Und beim Kapitel über Picknicks stelle ich mir karierte Körbchen auf einer Decke am Stadtrand von London vor.
Es sind aber damit auch Rezepte, die man nicht jeden Tag macht – einfach, weil ich nicht so häufig Picknicks, Suppen oder Kekse brauche.

Zwischendurch gibt es ganz praktische Tipps, z.B. dass man beim Picknick etwas zum Dippen, etwas, mit dem man dippt, etwas Grünes und Knackiges, etwas Pikantes und Sättigendes sowie etwas Süßes einpacken sollte.
Was mir auch gut gefällt: Manche Rezepte werden in verschiedenen Varianten angeboten, also Lachs entweder mit Klebreis oder Butternusskürbispüree. Oder Bolognese für wenig Zeit und Bolognese für viel Zeit. Das finde ich wirklich toll.

Jedenfalls habe ich mir für einen warmen Sommertag den “Echt römischen Burrata-Salat” vorgenommen. Echt römisch, weil die Autorin ihn das erste Mal in Rom zubereitet hat. Er ist raffiniert, weil süße Pflaumen und herber Ruccola einen schönen Kontrast bilden, dazu ein gutes Olivenöl, was selbst noch ein wenig scharf schmeckt und einen herrlich weichen, zarten Burrata. Dazu Weißwein und mehr braucht es nicht für einen Sommerabend auf dem Balkon.

Echt römischer Burrata-Salat. Foto: Annabell Bils


Inzwischen habe ich auch die rauchige Rote-Bete-Suppe ausprobiert. Die ist quasi nose-to-tail, weil die Beten komplett verwertet werden. Und ich finde alles super, das nicht geschält werden muss. Die Suppe ist großartig, rauchig, süß und cremig. Dazu gibt es noch eine Geschichte vom Lagerfeuer.

Rauchige Rote-Bete-Suppe. Foto: Annabell Bils

Ich werde aber auf jeden Fall auch noch die Brombeerpizza probieren.

Diesem Buch gebe ich 5 out of 5 stars (5 / 5).

Und noch eine kleine Geschichte am Schluss:
Das Buch hat im Innenumschlag sieben kleine Klebezettel, auf denen Buchrezensionen stehen, wie “Das Carbonara-Rezept ist der Hammer”. Die gehören zum Buch, aber es sieht so aus, als habe die Buchhandlung sie vergessen. Super Idee!
Das Buch enthält keine Fotos, sondern ist durchweg hübsch illustriert. Es stimmt schon, es ist nicht nur ein Koch-, sondern auch ein Lesebuch.


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