Das Kochbuch der 100-Jährigen

Niklas Ekstedt, Henrik Ennart
Das Kochbuch der 100-Jährigen
Rezepte für ein langes, glückliches Leben.

Good Life Books by Fackelträger
2016
ISBN: 9783771646639

An mehreren Stellen auf der Erde gibt es die so genannten „Blue Zones“, also die Orte, an denen die Menschen signifikant älter werden als auf dem Rest der Welt und an denen der Anteil der Hundertjährigen überdurchschnittlich hoch ist. Es treten dort auch weniger häufig schwerwiegende Erkrankungen auf. 

Ogimi auf Okinawa in Japan ist beispielsweise ein solcher Ort. Dort lebt Taira, die 94-jährige, die sich wundert, dass man in Europa schon mit 65 Jahren in Rente geht.  Oder Ogliastra auf Sardinien, hier lebt der 93-jährige Scudo, der sein ganzes Leben lang als Schafhirte gearbeitet hat. Ikaria in Griechenland, wo Christina seit 104 Jahren lebt. Nicoya auf Costa-Rica, wo die Wahrscheinlichkeit, dass heute 60-jährige Männer und Frauen noch 100 Jahre alt zu werden, bei 1 zu 20 liegt.  Und die Region Småland in Schweden,wo 2013 die älteste Schwedin zu Hause war. Sie wurde 111 Jahre alt. All diese Orte und deren Gerichte werden im „Kochbuch der Hunderjährigen“ vorgestellt, und das ist auch gleichzeitig das Inhaltsverzeichnis, dem nur noch ein Vorwort voran- und ein Register nachgestellt ist. 

Die Autoren versuchen, dem Geheimnis des Altwerdens auf den Grund zu gehen und suchen nach Gemeinsamkeiten all dieser Orte. Sie fanden heraus, dass das Zusammenspiel verschiedener Faktoren im Lebensstil eine Rolle spielt. So wird von den Menschen in den blauen Zonen zwar wenig, aber gut gegessen. Die Menschen sind viel in Bewegung und sind gut miteinander vernetzt, leben aber grundsätzlich stressfreier als auf dem Rest der Welt, es dauert eben alles seine Zeit.

Im Buch werden zehn Grundregeln benannt, die für mich grundsätzlich nach einem gesunden Lebensstil klingen: Nicht zu viel essen und dabei hauptsächlich Pflanzenkost (sich einen Küchengarten anzulegen ist ebenfalls ein Tipp), viele verschiedene Nahrungsmittel zu sich nehmen und sich nicht einseitig zu ernähren, wenig Zucker, Weizen und Kuhmilch, dafür mehr Fisch und Käse, sowie lokal und regional erzeugte Lebensmittel. Außerdem soll man dem Magen Zeit lassen, sich wieder auszuruhen. Letztlich soll man so oft wie möglich  gemeinsam mit Anderen essen. 

Nun macht eine Misosuppe noch keinen schöneren Teint und ein schwedisches Haferfrühstück macht nicht per se glücklich. Vielmehr geht es darum, eine Haltung einzuüben, Essen wertzuschätzen, Gemeinschaft zu feiern und das alles gut in den Tagesablauf einzubauen. Und dann ist eine liebevoll zubereitete Misosuppe, wirklich etwas anderes als eine schnell an der Tankstelle gekaufte verpackte Salami, die man am besten noch auf dem Weg zur Arbeit in sich hineinstopft und nach 5 Minuten wieder vergessen hat. Vielleicht ist es deswegen auch gar nicht unbedingt ein Kochbuch, sondern eher so etwas wie ein Besinnungsbuch.

Ich weiß gar nicht, ob ich 100 Jahre alt werden möchte. Ich weiß aber, dass ich die restliche Zeit nicht damit verbringen möchte, zu viel ungesunden Kram aus industrieller Produktion zu essen, sondern das Essen und dessen Zubereitung so oft wie möglich zu zelebrieren. Und dafür sind diese Rezepte wunderbar. Sie sind oft schlicht und auf das Wesentliche reduziert.  sie kommen mit wenig Zutaten aus und sind dabei total regional. 

Miso-Ramen mit frittiertem Tofu, Gurke und Seegras.
Foto: Annabell Bils

Hier gab es beispielsweise Miso-Ramen mit frittiertem Tofu, Gurke und Seegras aus Japan. Ein mutiger Start in den Tag, denn dieses Frühstücksgericht enthält frisch geriebenen Knoblauch. Es ist im Grunde ganz minimalistisch, viel kommt gar nicht rein. Aber in jeder Komponente steckt ganz viel Wertschätzung. Die Gurken werden zum Beispiel längs geschnitten, das sieht einfach schöner aus, und sie werden in Zucker-Essig-Marinade eingelegt, nur ganz kurz, aber sie schmecken dann süß und würzig. Und dabei sind sie ja eigentlich nur Suppeneinlage. 

Oder der Salat mit Räucherlachs und Ei mit Senf-Meerrettich Dressing aus Schweden. Wenige Zutaten, fünf Schritte im Rezept. Kartoffeln, Eier, Lachs, Bohnen, grüner Salat und ein Dressing, Mehr ist es eigentlich gar nicht, aber diese Einfachheit besticht. Mehr braucht es auch nicht. 

Salat mit Räucherlachs und Ei mit Senf-Meerrettich Dressing.
Foto: Annabell Bils

Ich mag dieses Buch sehr. Danke C., dass du mich darauf gebracht hast. 
5 out of 5 stars (5 / 5).

2 Comments

    1. Annabell

      Liebe Eva, es freut mich, dass dir das Buch gefällt. Bei mir kann man allerdings keine Bücher kaufen, ich schreibe nur darüber. Das Buch ist aber regulär im Buchhandel zu haben. Viele Grüße!

Schreibe einen Kommentar

acht + 19 =

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.