Ein Jahr lang gut essen

Nigel Slater
Ein Jahr lang gut essen.
DuMont Buchverlag GmbH
2016
ISBN: 3832199128

Dieses Buch stand schon sehr lange auf meiner Wunschliste, bevor ich es in diesem Jahr zum Geburtstag geschenkt bekam. Es ist ein Kochbuch, ja, aber es ist auch ein Tagebuch. Ein Küchentagebuch.

In allem, was Slater beschreibt, fühle ich mich gut aufgehoben. Da ist zum einen seine Beschreibung vom Sinn von Kochbüchern:

“Ein Kochbuch kann die Tür zu einer Welt köstlicher Möglichkeiten öffnen. Ich hoffe, dieses hier wird genau das bieten: eine neue Verwendung für eine vertraute Zutat; die Überarbeitung eines alten Bekannten; einen neuen Dreh, eine Wendung, eine Laune oder auch nur eine simple Erinnerung. Sie können die Rezepte Wort für Wort befolgen oder nur als Zündfunken für Ihre eigene Phantasie nutzen, ganz wie Sie wollen.”
S. 12

Ich finde das wunderbar und entspricht genau dem, wie ich Kochbücher lese. Nicht nur in der Küche, um etwas nachzukochen, sondern auch als Inspiration auf dem Sofa. Und das ist der zweite Aspekt, den ich an Slaters Buch so mag: Dass es auch eine unterhaltsame Lektüre eines Tagebuches ist:

“Ich mag Kälte. Schnee, Frost, Eis und klare, perlgraue Himmel liegen mir viel mehr als strahlende Sonne und blendendes Licht. Aber die Kälte weckt in mir auch fürchterlichen Hunger und das Bedürfnis nach samtigen Suppen aus Topinambur oder Kürbis, nach Schweinebauch und Lammnacken, nach Ofenkartoffeln und gebackenem Kürbis, nach Sirup-Pudding und Biskuitrollen mit Marmeladenfüllung. Essen, das die Seele wärmt.”
S. 124

Man merkt schon, hier geht es gar nicht um große, festliche Menüs oder Feinheiten der Molekularküche. Nein, hier geht es um das gute Essen, das gezaubert ist aus den Resten im Kühlschrank, aus dem, was auf dem Markt gerade zu haben ist, aus dem, was mich an die Kindheit erinnert.

Nachgekocht aus diesem Buch habe ich ein schnelles Frühlingsgericht: Reis, Karotten und Cashewkerne. Es ist schnell gemacht, schön buttrig und durch die Möhren angenehm süß. Der braune Basmati ist noch bissfest, dazu kommt der Crunsh der Cashewkerne. Abgerundet wird das Ganze mit frischer Petersilie.

Reis, Karotten und Cashewkerne.
Foto: Annabell Bils

Ich mag die Art, wie das Rezept beschrieben ist. Man erfährt zum Beispiel, das Slater den Reis immer 3x wäscht, obwohl es sicher auch nach dem ersten Mal schon genug ist – und dass man Möhren gern durch Pastinaken ersetzen kann. Es geht hier also nicht um das Exakte, Abgezählte und Abgewogene, sondern um das, wie es gerade passt.

Das Buch ist folgendermaßen aufgeteilt: Nach einer Einladung folgen die Küchentagebücher der Monate Januar, Februar und März, danach Rezepte für Frühlingsessen. Anschließend die Tagebücher für April, Mai und Juni und Rezepte für Sommeressen, Juli, August, September und die Rezepte für Herbstessen und anschließend die Tagebücher aus Oktober, November, Dezemeber und die Rezepte für Winteressen. Am Ende ist ein Register zu finden. Das Buch ist mit über 250 Rezepten auf 560 Seiten auch kein dünnes Bändchen, sondern ein echter Klopper. Ich liebe es sehr.

5 out of 5 stars (5 / 5)

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